Ein Ausbildungsplatz für den syrischen Flüchtling Jehad

Premiere für die Volksbank Straubing eG

Manchmal nimmt das Leben überraschende Wendungen, manchmal hat man einfach Glück. Für den syrischen Flüchtling Jehad war es ein großes Glück, dass er im September 2015 bei seiner Ankunft in Deutschland die Traitschinger Familie Schlögl kennengelernt hat. Anita Schlögl hat für den damals 16 Jahre alten, unbegleiteten Jungen die Vormundschaft  übernommen und kümmert sich seitdem mit viel Eigenengagement ehrenamtlich um ihn.

Die Unterstützung von Familie Schlögl nahm Jehad von Anfang an offen an und nutzte jede Möglichkeit, sich mit der Deutschen Sprache vertraut zu machen. Im Januar diesen Jahres absolvierte Jehad bereits die erste Sprachprüfung und ist nun auf dem Weg zur zweiten  Sprachprüfung. Er machte Praktika, begeisterte sich schließlich für den Beruf des Bankkaufmanns. 53 Bewerbungen – nicht nur für eine Ausbildung als Banker – hat Jehad gemeinsam mit Anita Schlögl losgeschickt. Zurück kamen 52 Absagen – „alle Plätze weg“, so die Nachricht bereits gut ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Aber Jehads Fleiß zahlte sich aus. Die Volksbank Straubing eG bietet ihm die Chance, ab September 2017 eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu beginnen. „Nach einem erfolgreich absolvierten Praktikum im vergangenen November hat Jehad die Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten. Kurz darauf schon hatten wir den Termin in der Personalabteilung, bei dem er die Zusage für seinen Ausbildungsplatz erhalten hat“, freut sich Anita Schlögl. „Nach dem sehr positiv verlaufenen Praktikum in einer unserer Geschäftsstellen wollten wir den jungen Mann kennenlernen und sehen, ob seine Deutschkenntnisse auf einem Niveau sind, mit dem er die duale Ausbildung zum Bankkaufmann absolvieren kann. Fundierte Sprachkenntnisse sind für die Integration und insbesondere für den Einstieg in eine Berufsausbildung unabdingbar“, so Nadine Hellmig, Leiterin der Personalabteilung der Volksbank Straubing eG. Für sie ist dieser Auszubildende eine Premiere. Zum ersten Mal geht ein Auszubildender, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, an den Start. „Wir haben an Jehad die gleiche Erwartungshaltung wie an unsere anderen Auszubildenden. Engagement, Offenheit für Neues, Zielstrebigkeit und Spaß an der Arbeit“, sagt Hellmig. Zu verdanken hat Jehad diesen persönlichen Erfolg in erster Linie seinem eigenen Engagement sowie dem außergewöhnlichen Einsatz der Familie Schlögl. Denn mit ihrer Unterstützung hat Jehad zusätzlich eine Förderzusage der Eheleute Gabriele-Karola und Martin Hill, Gründer der Gabriele-Karola und Martin-Hill-Stiftung, erhalten und damit einen weiteren „Partner in der Ferne“ mit jahrzehntelanger Banker-Erfahrung gewonnen. „Wir möchten helfen, dass eine Ausbildung nicht an wirtschaftlichen Verhältnissen bzw. der Herkunft oder dem aktuellen Zeugnis eines jungen Menschen scheitert“, so Gabriele-Karola und Martin Hill.

Zu Hause bei Jehad ist fast alles für den Ausbildungsstart im September vorbereitet. Um zu Beginn der Ausbildung die wichtigsten Finanzbegriffe zu kennen, hat Jehad sich z.B. schon einige Fachbücher ausgeliehen. Parallel zu seiner Arbeit in einer Behinderteneinrichtung in Mitterfels besucht Jehad derzeit einen Deutschkurs in Cham, um seinen B2-Abschluss zu
machen. „Diesen Kurs besucht er aus eigenem Antrieb und bezahlt ihn auch selbst“, sagt Anita Schlögl sichtlich stolz.

v. l. Norbert Herten, Vorstandsmitglied, Nadine Hellmig, Leiterin der Personalabteilung, Anita Schlögl, Jehad Khalil und Edmund Wanner, Vorstandsvorsitzender.