GVB-Präsident Dr. Jürgen Gros zu Gast in Straubing

Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern (GVB) tauschte sich mit den Vorständen der Volksbank aus.

Edmund Wanner, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Straubing, und sein Vorstandskollege Norbert Herten konnten kürzlich Dr. Jürgen Gros vom GVB in dem historischen Bankgebäude am Ludwigsplatz in Straubing begrüßen. Im Gespräch wurden vorrangig die aktuelle finanzwirtschaftliche Lage und die Auswirkungen auf die Regionalbanken diskutiert.

Dabei betonte Dr. Gros, wie bereits im Interview mit dem Straubinger Tagblatt vom 18. März 2017, dass die anhaltende Niedrigzinsphase und die Bankenregulierung die Regionalbanken vor große Herausforderungen stellen. Rückläufige Zinsergebnisse und Kosten, die durch die Erfüllung der zunehmenden Regulierung anfallen seien nur zwei der Folgen. Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken gehörten zu den stabilsten Banken in Europa und würden ein ganz anderes Geschäftsmodell verfolgen als international tätige Großbanken, so Dr. Gros. Dennoch hätten sie die gleichen Vorgaben zu erfüllen. Sowohl der GVB als auch die Vorstände der Volksbank halten dies für unverhältnismäßig und fordern, dass die Regulierungsanforderungen stärker von der Risikostruktur einer Bank abhängig gemacht werden.

Um ihre gute Marktposition zu behaupten, setzen die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Konsolidierungskurs weiter fort. So richten die Institute ihre Infrastruktur konsequent an den Bedürfnissen ihrer Kunden aus, wie Dr. Gros sagte. Er hob jedoch hervor, dass die bayerischen Kreditgenossenschaften auch in Zukunft in der Fläche vertreten sein werden. Auch die Volksbank Straubing ist weiterhin mit 22 Geschäftsstellen in der Region präsent. „Um auch in Zukunft als kompetenter Partner für unsere Kunden und Mitglieder vor Ort da zu sein, nutzen wir konsequent Sparpotenziale und haben strukturell die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt“, versicherte Wanner. So wurden die Filialen in zwei Marktbereiche eingeteilt und das Firmenkundengeschäft in die Segmente Firmen- und Geschäftskunden untergliedert. Damit sei eine optimale und noch spezifischere Kundenbetreuung möglich. Des Weiteren passe die Bank die Infrastruktur konsequent an die Kundenbedürfnisse an und biete eine breite Palette an elektronischen Finanzdienstleistungen. Vergangenes Jahr hat sich überdies eine Projektgruppe der Bank dem Themengebiet Elektronische Bankdienstleistungen (EBL´s) angenommen. Diese zwölf Mitarbeiter hatten sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Belegschaft über das umfangreiche Produktportfolio an EBL´s zu informieren. Über das Ergebnis - ein selbstgeschriebenes und inszeniertes Theaterstück, welches die praktische Anwendung der EBL´s anhand der verschiedenen Lebensphasen eines Paares darstellt - zeigte sich der Verbandspräsident beeindruckt. Diese moderne und effektive Methodik der Wissensvermittlung könne auch in anderen Bereichen angewendet werden.

Sowohl Dr. Gros als auch die beiden erfahrenen Vorstände der Volksbank rechnen im Übrigen nicht damit, dass sich die Niedrigzinsphase und der geldpolitische Kurs der EZB so schnell ändern werden. Dies werde sich massiv auf die Ergebnisstruktur bei den Banken auswirken. Zudem bestehe die Gefahr, dass das viele billige Geld unproduktiv verwendet wird. Es sei dringend notwendig, dass die Preissignale wieder in Kraft gesetzt werden und die Zinsen steigen. Dr. Gros zeigte weiter auf, dass die niedrigen Zinsen nicht nur die Banken belasten würden, sondern auch die privaten Sparer, deren Einlagen kaum noch verzinst werden. Allerdings gebe es alternative Anlageformen, mit der eine akzeptable Rendite möglich sei. Hier verwiesen Wanner und Herten auf die Berater vor Ort, die individuelle Lösungen darlegen könnten.

Stolz blickten sie auf das kommende „Raiffeisenjahr“ 2018, welches anlässlich des 200. Geburtstags von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einem der Gründungsväter der Genossenschaften, ausgerufen wurde. Anfang Dezember 2016 wurde die Genossenschaftsidee als erster deutscher Beitrag mit in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Das Internationale Komitee der UNESCO würdigt damit die Idee als Form der gemeinschaftlichen Selbstorganisation, die auf den Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung basiert. Sie bildete vor rund 170 Jahren den Grundstein für die heutigen Genossenschaftsbanken. Als vielseitige Förderer ihrer Region führen die Institute die Genossenschaftsidee ihrer Gründerväter auch heute noch weiter. Mit 22 Geschäftsstellen, einem betreuten Kundenvolumen von ca. 2,1 Milliarden Euro und einer Bilanzsumme von 1,078 Milliarden Euro gehört die Volksbank zu den großen Genossenschaftsbanken in Deutschland und darf sich seit kurzem als „Beste Bank in Straubing“ bezeichnen, da sie beim City-Contest 2016 den ersten Platz erreicht hat. In den Testfällen legte der Testkunde Wert auf eine ganzheitliche Beratung. Gemeinsam mit den Partnern der genossenschaftlichen FinanzGruppe kann die Volksbank die gesamte Palette an Finanzdienstleistungen aus einer Hand anbieten.

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) vertritt die Interessen von 1.278 genossenschaftlichen Unternehmen im Freistaat. Als Regionalverband mit Hauptsitz in München prüft, berät und unterstützt er seine Mitglieder – und das seit nunmehr über 120 Jahren. Der GVB beschäftigt rund 500 Mitarbeiter.

Edmund Wanner, Vorstandsvorsitzender (rechts) und Norbert Herten, Vorstandsmitglied (links), gemeinsam mit GVB-Präsident Dr. Jürgen Gros.